Die Geburt eines Kindes und die damit verbundenen Glückwünsche zur Geburt sind für viele Menschen der schönste Moment im Leben. Doch was ist, wenn man aus bestimmten Gründen keine Kinder bekommen kann? Muss der Kinderwunsch damit "begraben" werden? Keinesfalls! In diesem Fall sollte man über eine Adoption nachdenken.
Bei einer Adoption werden die leiblichen Bande zwischen Eltern und Kindern durch eine gerichtliche Entscheidung ersetzt. Kinder, die aus bestimmten Gründen nicht in ihrer biologischen Familie leben können, finden auf diese Art neue Eltern. Die frischgebackenen Eltern hingegen erfüllen sich den langgehegten Traum von einem Kind und gründen so eine neue Familie.

1. Die Freigabe des Kindes zur Adoption

Wenn sich die Eltern bzw. die Mutter dazu entscheiden, das Kind zur Adoption freizugeben, so ist dies der Adoptionsvermittlungsstelle, die beim Jugendamt eingerichtet ist, möglichst frühzeitig mitzuteilen. Nach ausführlicher Beratung wird das Kind direkt nach der Geburt oder den jeweiligen Umständen entsprechend später in die Adoptivfamilie vermittelt. Die Einwilligung in die Adoption jedoch kann die Mutter bzw. die Eltern des Kindes nach einer Bedenkphase frühestens acht Wochen nach der Geburt erteilen. Grundsätzlich ist die Einwilligung beider Elternteile notwendig, jedoch kann sie in bestimmten Fällen, beispielsweise wenn ein Elternteil nicht ausfindig gemacht werden kann, durch das Vormundschaftsgericht ersetzt werden.

2. Die Voraussetzungen

Die Adoptionswerber müssen unbeschränkt geschäftsfähig sein. Das Mindestalter grundsätzlich beträgt 25 Jahre, wobei jedoch bei einem Ehepaar einer der beiden dieses unterschreiten kann, wenn der andere das 25. Lebensjahr vollendet hat und er selbst über 21 ist. Eine obere Altersgrenze existiert im Prinzip nicht, allerdings wird darauf geachtet, dass der natürliche Altersunterschied zwischen dem Annehmenden und dem Kind gewahrt bleibt.

Wenn ein Ehepaar bzw. ein Paar, das in einer eingetragenen Lebensgemeinschaft lebt, adoptiert, werden beide Partner zu Adoptionswerbern und können ausschließlich gemeinsam ein Kind annehmen. Die Ausnahme bilden die Stiefkindadoption, bei der einer der Ehegatten das leibliche Kind des anderen an Kindes statt annimmt und die Sukzessivadoption, der die alleinige Adoption eines der Partners vor der Ehe vorausgeht. Alleinstehenden und Personen in einer Partnerschaft, die ihre Beziehung nicht durch eine Ehe oder eine eingetragene Lebenspartnerschaft legalisiert haben, können nur als Einzelperson ein Kind annehmen.

Die Einwilligung beider leiblicher Elternteile ist sowohl erforderlich, als auch die Einwilligung des Kindes. Vor dem 14. Lebensjahr wird die Einwilligung durch den gesetzlichen Vertreter erteilt. Später muss das Kind selbst in seine Adoption einwilligen.

3. Die erforderlichen Unterlagen

Zuständig für das Adoptionsverfahren ist die Adoptionsvermittlungsstelle, die entweder beim örtlichen Jugendamt oder einem freien Träger, wie der Caritas oder der Diakonie, eingerichtet ist. Für die Bewerbung sind folgende Unterlagen notwendig:

  • Ein Antragsformular bzw. eine von Ihnen verfasste Bewerbung als Adoptivwerber, aus der die Motivation zum Adoptionswunsch hervorgehen soll
  • Geburtsurkunde
  • Heiratsurkunde bzw. Urkunde über eine eingetragene Lebensgemeinschaft
  • Aufenthaltsbescheinigung
  • Lebensläufe der Adoptionswerber
  • Erweitertes polizeiliches Führungszeugnis
  • Ärztliche Gesundheitsbescheinigungen der Adoptionswerber
  • Einkommensnachweis des Adoptivwerbers
  • Vermögensbekenntnis (Einheitswert des Grundstückes, Ersparnisse, Wertgegenstände und ähnliches)
  • Eventuell ein Schuldenbekenntnis samt aller Unterhaltsverpflichtungen
  • Ausgefüllter Fragebogen der Adoptionsvermittlungsstelle

4. Der Ablauf

Bei der Adoptionsvermittlungsstelle wird zunächst ein allgemeines Gespräch mit Ihnen geführt. Neben allgemeinen Fragen zu Ihrem Leben, Ihrer Wohnsituation und Ihrer Partnerschaft, wird auch die religiöse und weltliche Einstellung angesprochen.

Danach folgt das Eignungsprüfverfahren, in dem in einigen Gesprächseinheiten mit Sozialarbeitern Ihr Kinderwunsch, Ihre eigene Kindheit, Ihre Ehe und die Erwartungshaltung in Bezug auf das Adoptivkind erörtert werden. Es ist wichtig, sich im Voraus mit den Fragen nach Ihren Stärken und Schwächen in der Kindererziehung zu befassen und seine Antworten gründlich zu reflektieren. Es wird auch nach den Grenzen Ihres Kinderwunsches gesucht, die in einer Behinderung des anzunehmenden Kindes oder einer möglichen psychischen Störung desselben liegen können.

Je nach Anzahl der Bewerber in Ihrer Region können Gruppensitzungen abgehalten werden, wo innerhalb der Gruppe Diskussionen angeregt werden. Oftmals finden die Gespräche bei Ihnen zu Hause statt, damit sich der Sozialarbeiter ein genaues Bild von Ihrer Vorbereitung auf das neue Familienmitglied machen kann. Ein eigenes Kinderzimmer ist von Vorteil, genauso wie die kindersichere Einrichtung der Wohnung. Auf Grundlage dieser Gespräche und einer sorgfältigen Besichtigung Ihrer Wohnverhältnisse wird die Eignung des Bewerbers zur Adoption festgestellt. Falls Sie eine Auslandsadoption in Betracht ziehen, wird ein Sozialbericht erstellt, der für diese notwendig ist.

Danach müssen Sie sich auf eine lange Wartephase einstellen, in der das passende Kind gesucht wird. Auf ein zur Adoption freigegebenes Kind kommen derzeit in Deutschland neun Bewerber, was den Prozess stark in die Länge ziehen kann.

Wenn das Jugendamt befindet, dass Sie der ideale Elternteil für ein bestimmtes Kind sind und Ihnen die Pflegeerlaubnis ausstellt, folgt die Anbahnungsphase, die ein Jahr andauert. Während dieser Zeit erhalten Sie den juristischen Status einer Pflegefamilie.

Nach dem erfolgten "Matching" wenden Sie sich an einen Notar Ihres Vertrauens, der Ihnen dabei hilft, den Aufnahmeantrag zur Aufnahme eines Kindes bei Wohnsitzgericht mit Zuständigkeit für Familienrechtssachen zu stellen. Das Vormundschaftsgericht holt daraufhin die Stellungnahme der Adoptionsvermittlungsstelle zum gestellten Antrag ein und beschließt die Beendigung des Pflegeverhältnisses und die rechtliche Aufnahme an Kindes statt.

5. Die Dauer

Das Eignungsverfahren kann einige Monate in Anspruch nehmen, wobei dieses bei etwaigen Problemen oder Verzögerungen nach zwei Jahren erneut durchlaufen werden muss, da die Eignung zur Adoption bloß für zwei Jahre ausgestellt wird. Die Wartezeit hingegen kann mehrere Jahre andauern, da nach den besten Eltern für das jeweilige Kind gesucht wird. Es ist zu empfehlen, regelmäßig mit dem Jugendamt in Kontakt zu treten und die angebotenen Kurse über die Schwierigkeiten bei Adoptionen zu besuchen.

6. Die Kosten

Grundsätzlich ist die Adoption eines Kindes kostenlos. Allerdings müssen für die Beiziehung eines Notars, für die Auszüge aus den Registern und für die Beglaubigungen Ausgaben nach den gesetzlichen Tarifen eingeplant werden, die bundesweit einheitlich geregelt sind.